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Performance

Performance

Nach einer Regieassistenz bei einer Inszenierung der Oper „La Bohème“ und nach dem Studium der Theaterwissenschaft – was so etwas ist wie ein geisteswissenschaftliches Survival-Training – zieht es mich seit 2013 wieder zunehmend in die Theaterarbeit.

Mit dem Journalistenkollektiv Affe im Kopf entwickle ich dokumentarische Bühnenformate und Live-Features. Das Projekt „Inselträume“ (2013) am Pathos Transporttheater war beispielsweise eine utopische Weltreise; gemeinsam mit einem Mann, der seine eigene Gesellschaftsutopie entwickelt hat und einem Seemannschor ging es in die Zukunft einer ökologischen Apokalypse.

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Credit: Laura Martegani

Darauf folgten die Aufführungen „Depression“ (2013) am Münchner Gasteig , „Into the Great Wide Open“ (2014) am Volkstheater München und „Leerraum“ (2015) am Münchner Gasteig. Das Mediennetzwerk Bayern schreibt über unsere Arbeit:

„Bei ‚Affe im Kopf‘ darf Journalismus alles sein – klassisch, digital, crossmedial und auf der Bühne sogar Kunst.“

Unser Projekt „Dr. Freud & Mrs. Europe“ hatte Premiere bei der re:publica 2015 in Berlin. Das Stück ist eine Mischung aus multimedialer Performance und Therapiesitzung. Denn unserer Meinung nach steckt Europa in der Krise, die alte Dame ist psychopathologisch krank – sie leidet unter einer bipolaren Störung. Verschiedene Persönlichkeiten, die miteinander konkurrieren, verhindern den inneren Frieden. Wir gehen das Problem an und legen die Grande Dame Europa auf die Couch.

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Credit: Affe im Kopf

Im Juni 2015 durfte ich als Dokumentarist und Performer Teil des Projektes „Weltmaschine Unterwegs“ sein. Dabei war ich gemeinsam mit dem Liedermacher Christoph Theussl, dem Performer Georg Reinhardt und dem Erfinder Mathias Lenz auf einer Reise im Geiste des sagenhaften Franz Gsellmann. Der oststeirische Bauer „murkste“ von 1958 bis zu seinem Tod 1981 an einem Apparat aus über tausend Einzelteilen, die er über die Jahre sorgfältig gesammelt hatte. Die Maschine produzierte nichts, noch erfüllte sie irgendeinen erkennbaren Zweck.

Nach Gsellmanns Prinzipien haben wir eine eigene „Weltmaschine“ gebaut und uns mit dem Sinn und Unsinn des menschlichen Handelns auseinandergesetzt. Das Unternehmen ist eine Mischung aus Pilgerfahrt, Forschungsreise und rollender Entertainment-Show. Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Kritik:

„Man tut, und das ist gut. Was, das erlebt man in der (…) Performance für je einen Zuschauer, die etwas Grusel und viele Tipps von Weltmaschinenbauer zu Weltmaschinenbauer enthält, ein hübsches Symbol-Sammelsurium in der Fahrerkabine des Campers, einen sprunghaften Beifahrer, strenge Gerüche und taktile Naherfahrungen mit Kunstbrüsten.“

Im Oktober 2016 wurde „Weltmaschine Unterwegs“ im Rahmen des Rodeo Festivals präsentiert, im Juni 2017 wird es eine Wiederaufnahme am Staatstheater in Darmstadt geben. Den Blog zum Projekt habe ich als Mobile Reporting-Experiment realisiert. Ein Autor, ein Smartphone, kostenlose Apps und täglich Berichte in Wort, Bild und Video. Den Blog finden Sie hier.

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Credit: Georg Reinhardt